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Erwin Sabathi
Das Fundament für großartige Weine bildet großartiges Terroir – und genau dieses steht Patrizia und Erwin Sabathi im südsteirischen Leutschach reichlich zur Verfügung. Gemeinsam führt das Winzerpaar das Weingut Sabathi in zehnter Generation mit großem Erfolg. Einen hervorragenden Ruf hatte sich Erwin Sabathi mit seinen Weinen bereits ab 1992 erarbeitet, doch mit dem Einstieg seiner Frau Patrizia kam weiterer Schwung in das Qualitätsstreben. Seit einigen Jahren ist der Betrieb organisch-biologisch zertifiziert. Weiterhin sind zu 100 Prozent traditionelle Handlese und spontane Vergärung wesentliche Aspekte in der Herangehensweise, welche das Ziel hat, die Herkunft und den Charakter einzelner Rieden bestmöglich in die Flasche zu transportieren.
Angesichts der bis 1650 zurückreichenden Weinbautradition haben sich Patrizia und Erwin Sabathi zuletzt intensiv mit Heraldik beschäftigt, was zur Kreation und Stiftung eines Wappens führte. Als Symbol für den Betrieb ziert es nun die Etiketten der Weine.
Das grandiose Terroir am Pössnitzberg
Die südlichste Riede der Steiermark ist der spektakulär steile, von dichten Wäldern umgebene Pössnitzberg. Patrizia und Erwin Sabathi sind fast alleinige Bewirtschafter am Pössnitzberg und bringen sein einzigartiges, extrem karges und kalkhaltiges Terroir sowohl mit Sauvignon Blanc als auch mit Chardonnay präzise in die Flasche. Ihre Lagenweine zeichnen sich durch Komplexität, Intensität und Eleganz aus. Der erst tropisch, dann salzig anmutende Chardonnay Ried Pössnitzberg 2023 reifte 22 Monate im großen traditionellen Holzfass und verspricht viele Jahre Lagerpotenzial. Handlese, spontane Gärung und die langjährige organisch-biologische Bewirtschaftung, die mit hoher Biodiversität im Weingarten, gesunden Böden und widerstandsfähigen Reben einhergeht, sind für das Winzerpaar unverzichtbar und tragen wesentlich zur außergewöhnlichen Qualität der Weine bei. Der extrem hohe Qualitätsanspruch des Winzerpaares wird allerdings nicht nur in den immer wieder mit Höchstnoten ausgezeichneten Riedenweinen vom Pössnitzberg spürbar. Tatsächlich macht schon der Geschmack der Orts- und Gebietsweine Herkunft nachvollziehbar. Mustergültig tanzt der Sauvignon Blanc Südsteiermark vom Jahrgang 2025 mit saftiger Frische und kräutrig-grasiger Würze am Gaumen und die beliebte zugängliche Cuvée Sabathini verführt allein durch ihren Schwung und ihre Lebendigkeit. Noch markanter zeigen die Ortsweine die kühlen klimatischen Einflüsse und die gebietstypischen Opokböden, wie der mineralisch-straffe Chardonnay Leutschach 2024, der zwölf Monate in großen Eichenfässern ausgebaut wurde und ungeheuer viel Trinkfluss besitzt.
Patrizia & Erwin Sabathi im Interview mit Daniela Dejnega
Liebe Patrizia, lieber Erwin, als Winzerpaar habt ihr bereits sehr viel erreicht. Einige eurer Weine zählen zu den höchstbewerteten des Landes. Wie wollt ihr das Weingut und euren Weinstil noch weiterentwickeln?
Patrizia: Da muss man sich konkret drei Bereiche anschauen: Aus betriebswirtschaftlicher Sicht muss man das Weingut mittlerweile fast täglich weiterentwickeln – hinsichtlich Behördenauflagen, rechtlicher Vorgaben und ständiger Änderungen – da muss man laufen, laufen, laufen und darf nicht stehenbleiben.
Geht es um die biologische Bewirtschaftung unserer Weingärten, so gehen wir diesen Weg auch in Zukunft zielstrebig weiter. Wir arbeiten so naturnah wie nur möglich, gleichzeitig beschäftigen wir uns gemeinsam mit Expert:innen mit der Weiterentwicklung bei Themen wie Ausbringung von Pflanzenschutzmitteln, Bio-Kompost, Unterstützung der Pflanzengesundheit und naturnahem Bodenmanagement. Wir beschäftigen uns mit großartigen Bio-Komposten und stehen hier aktuell sicher an der Spitze einer ganz tollen Entwicklung. Dazu stehen andere neue Technologien keinesfalls im Widerspruch zur Natur, ganz im Gegenteil: Zum Beispiel arbeiten wir bei diversen Projekten zur schonenden Bodenpflege mit Leichtgeräten mit. Es geht darum, bestimmte Arbeiten zu vereinfachen und noch schonender durchzuführen, aber auch darum, die Sicherheit für unsere Mitarbeiter:innen noch zu erhöhen, denn Traktorfahrer:innen in Steilstlagen brauchen das bestmögliche Equipment und optimale Sicherheitsvorkehrungen. Hier darf die Entwicklung keinesfalls stehenbleiben.
Erwin: Und in Bezug auf den Weinstil: Wenn man das Weinwerden bestmöglich begleitet und möglichst wenig Einfluss auf natürliche Prozesse nimmt, dann enthält dieser Wein die größte nachvollziehbare Herkunft. Genau darauf basiert unsere Philosophie. Unsere Weine spiegeln ganz klar die Herkunft, das ist eine fixe Konstante, die sich nicht ändern wird, somit wird sich auch unser Weinstil nicht ändern. Unsere Kund:innen dürfen weiterhin das erwarten, was sie von unseren Weinen gewohnt sind. Das soll keinesfalls bedeuten, dass man sich nicht mehr verbessern kann, sondern dass wir in der Weinstilistik einen an die Natur und die Herkunft angelehnten Weg eingeschlagen haben, den wir konsequent weitergehen, da wir sehr zufrieden damit sind. Dieses Level zu halten, ist Aufgabe genug. Weiterentwicklung ja, aber man muss gerade in der Stilistik nicht jedem Trend hinterherlaufen. Nicht alle neuen Trends entsprechen der Qualität, für die wir stehen.
Eure Paradelage, der Pössnitzberg, ist eine Ausnahme-Riede. Welcher Aspekt des Pössnitzbergs ist für euch persönlich besonders faszinierend?
Erwin: Ich bin am Pössnitzberg in den Weingärten spielend aufgewachsen. Diese tief geschlagenen Wurzeln mit wunderschönen Kindheitserinnerungen prägen mich bis heute sehr. Nun gedeihen auf meiner einstigen „Naturspielwiese“ unsere großartigsten Weine.
Patrizia: Faszinierend am Pössnitzberg sind seine einzigartigen Böden. Ein hoher Kalkgehalt in Kombination mit weiteren ganz besonderen Bodenstrukturen – ganz ähnlich wie im Burgund! Unsere Rieden sind somit prädestiniert für die großen französischen Rebsorten Chardonnay und Sauvignon Blanc. Genauso faszinierend ist es, das „Warum“ hinter diesen außergewöhnlichen Bodenstrukturen zu erforschen. Warum genau in diesem Bereich der Südsteiermark? Warum genau diese Böden? Ich habe über zwei Jahre mit Experten die geologische Geschichte des Pössnitzbergs untersucht und dies mit „Ein Streifzug durch 400 Millionen Jahre Erdgeschichte“ dokumentiert. Tolle Geschichten sind heute ja schnell erzählt und noch schneller verbreitet. Aber durch die Zusammenarbeit mit den Experten vom Universalmuseum Joanneum können wir mit einer faszinierenden geologischen Geschichte die Einzigartigkeit unserer Weine vom Pössnitzberg wissenschaftlich erklären.
Aber tolle Böden bedeutet nicht automatisch tolle Weine, oder?
Patrizia: Weingärten mit grandiosen Bodenverhältnissen zu besitzen, reicht allein nicht aus. Eine ebenso wichtige Komponente ist die Art unserer Bewirtschaftung, denn Terroir basiert auf Klima, Boden und auf den Menschen, die diesen bearbeiten. Der Mensch übt mit seiner Bewirtschaftung großen Einfluss aus.
Ihr bewirtschaftet eure Weingärten seit Jahren organisch-biologisch. Inwiefern bringt dies auch Vorteile in Zeiten der Klimaextreme? Wie schlimm war die heurige Trockenheit in der Südsteiermark?
Erwin: Unsere langjährigen Erkenntnisse und Erfahrungen zeigen ganz klar, dass wir Klimaextreme durch die biologische Bewirtschaftung sehr gut aussteuern können. Die Böden in unseren Weingärten sind durch gesunde Mikroorganismenstämme in perfekter Symbiose belebt und können dadurch genug Wasserspeicherkapazitäten für Trockenphasen aufbauen. Unsere Pflanzen sind gesund und fit, können Trockenperioden also besser überleben – wie auch ein gesunder Mensch Extremphasen anders übertaucht als ein geschwächter. Trockenheit und Hitze waren im heurigen Sommer extrem. Mit tagelang andauernden Temperaturen um die 40 Grad und kaum einem Tropfen Regen ist Landwirtschaft nicht mehr lustig. Unsere Weingärten sind zum Glück unbeschadet davongekommen.
Eure Chardonnays vom Pössnitzberg stehen mittlerweile mit den großen Weißweinen der Welt auf oberster Stufe. Ihr habt aber einen weiteren großen Schritt gewagt…
Erwin: Ja, nachdem unsere Böden am Pössnitzberg für burgundische Rebsorten wie geschaffen sind, haben wir uns einen persönlichen Lebenstraum erfüllt und Pinot Noir gepflanzt. Pinot Noir gilt als absolute Königsdisziplin. Diese Rebsorte reagiert sehr empfindlich auf Unterschiede betreffend Bodentyp und Mikroklima, daher ist sie besonders geeignet, um das spezifische Terroir ins Glas zu bringen, was unsere Philosophie ganz klar unterstreicht „Unsere Weine sind Ausdruck unseres Terroirs.“
Wohin reist ihr gern in Sachen Wein? Habt ihr eine Vorliebe für bestimmte Weinregionen abseits der Steiermark?
Patrizia: Für uns gibt es ganz viele interessante Weinregionen – am besten ist es immer, Weine genau dort zu probieren, wo sie wachsen und entstehen – weil man dann den Wein ganz anders wahrnimmt. Wenn man dann noch Einblick in den Entstehungsprozess bekommt und die Menschen dahinter kennenlernen darf, kann man „Weine verstehen lernen“ – das ist für uns sehr wichtig.
Vielen Dank für das Gespräch!
Impressionen
Erwin Sabathi